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DNV-Empfehlung zum UKW-Seefunkverkehr | Hamburg, 2009
Der Deutsche Nautische Verein (DNV) empfiehlt, in der IMO (International Maritime Organization) eine Untersuchung von modernen Verfahren bei der UKW-Kommunikation zu veranlassen und die entsprechende Empfehlung der WRC (World Radioconference) 07 durch Änderung des Kapitels IV von SOLAS (Safety of Life at Sea) umzusetzen.

UKW - Kanäle im Seefunkverkehr

Trotz AIS hat die Sprachkommunikation im Seeverkehr nichts an ihrer Notwendigkeit eingebüßt, der Umfang hat stark zugenommen und die technischen Anforderungen haben sich in den letzten Jahren verändert. Dies war der Anlass für den Arbeitskreis „Technische Ausrüstung“ des Ständigen Fachausschusses (StFA) des Deutschen Nautischen Vereins (DNV), sich mit dem Problem „UKW-Kanäle im Seefunkverkehr“ intensiver auseinanderzusetzen.

Nunmehr liegt ein Positionspapier des DNV vor, nachdem die Verfügbarkeit und Nutzung der UKW-Kanäle im Simplex- und Duplexverfahren untersucht wurde. Etwa 90% aller gegenwärtig an Bord von Schiffen installierten UKW-Anlagen arbeiten nach dem Simplex-Verfahren. Insbesondere die Zusammenarbeit mit UKW-Landstationen erfordert deshalb hohe Disziplin bei der Sprachkommunikation, dies hat sich ganz besonders bei Gefahrensituationen gezeigt, die auch im StFA diskutiert wurden. Auf Grund der Analysen und unter Betrachtung der neuen technischen Möglichkeiten wie Verringerung des Kanalabstandes von 25 kHz auf 12,5 kHz oder die Nutzung von digitalem UKW - Funk hat zu zwei Empfehlungen geführt:

Kollision vor Brunsbüttel

Als am 5. Dezember 2005 vor Brunsbüttel der Chemikalientanker „Sunny Blossom“ mit einem gekenterten, schwer einsehbaren Havaristen kollidierte, war er. kurz vorher von einem Sicherungsfahrzeug über einen Duplex-Kanal gewarnt worden, jedoch nicht über den auch verfügbaren Simplex-Traffic-Kanal. So aber hatte das Sicherungsfahrzeug keinen direkten Kontakt zu der SB, sondern musste alle wichtigen Informationen über die Landstation weitergeben. Das führt zu einem Zeitverzug und verzögerte das notwendige Ausweichmanöver maßgeblich. Außerdem ging die Dringlichkeit der Meldung verloren („Stille Post“- Effekt) Der Arbeitskreis „Schiffssicherheit und Unfallmanagement“ des StFA hatte in einer Stellungnahme festgestellt, dass der Bericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) deutliche Defizite in der Qualität des Sprechfunkverkehrs aufzeige. Zusätzliche Gefahren sah der Arbeitskreis darin, dass durch die Benutzung von Duplexkanälen nicht alle von einer Gefahrensituation betroffenen Stellen über denselben Kommunikationsstand verfügten. Die verpflichtende Hörbereitschaft auf dem Traffic-Kanal darf nach Ansicht des DNV nicht dazu führen, dass die direkte Kommunikation von Seeschiffen untereinander erheblich erschwert wird, wie dies bei Nutzung eines Duplex-Kanals gegeben wäre. Auf Grund der begrenzten Anzahl verfügbarer Simplex-Kanäle hat es bei der seitens der zuständigen Behörde angestrebten Umstellung der Traffic - Kanäle von Duplex auf Simplex Zeitverzögerungen gegeben.

In der weiteren Bearbeitung der Thematik wurden vom Arbeitskreis „Manövrieren / Technische Ausrüstung“ folgende Fakten zusammengestellt: „Derzeit stehen der internationalen Schifffahrt 56 verschiedene UKW-Kanäle zur Verfügung (UKW-Kanal 01 - 28 und 60 - 88; Kanal 70 ist für DSC-Eingabe blockiert). Von diesen 56 Kanälen arbeiten nur 21 im Simplex-Verfahren mit der gleichen Empfangs- und Sendefrequenz.“

Internationale Beratungen

Gegenwärtig wird im Rahmen der IMO die Strategie und das Anforderungsprofil für das eNavigation-Projekt diskutiert . Im WP 6 der NAV54 heisst es u.a.:

„1 DEFINITION AND SCOPE

1.1 E-navigation is the harmonized collection, integration, exchange, presentation and analysis of marine information onboard and ashore by electronic means to enhance berth to berth navigation and related services for safety and security at sea and protection of the marine environment.

1.2 E-navigation is intended to meet present and future user needs through harmonization of marine navigation systems and supporting shore services.“

Die Betrachtung im eNavigation-Projekt soll auch die zukünftigen Kommunikationsmittel zwischen Schiff und Landseite umfassen. Als „kurzfristige“ Lösung zur Erhöhung der Kanalanzahl kann eine Verringerung des Kanalabstandes vorgenommen werden, dies setzt aber Geräte voraus, die mit diesem Kanalabstand arbeiten können. Es ist möglich im UKW-Bereich im 12,5-kHz-Raster anstatt im bisher genutzten 25- KHz-Raster zu arbeiten.

Diese Umstellung ist allerdings von einer Frequenzzuteilung abhängig, für die in Deutschland die Bundesnetzagentur zuständig ist. Weiterhin wird über die Nutzung von digitalem UKW mit einem Kanalabstand von 6,25 kHz diskutiert. Auch diese Option sollte bei der Festlegung der zukünftigen Kommunikationsmittel Schiff / Land mit betrachtet werden. Dabei wird zukünftig nicht nur Sprach-, sondern neben dem AIS auch weitere Datenkommunikation über die UKW-Kanäle abzuwickeln sein, wobei Inhalt und Umfang noch festzulegen sind.

Der Deutsche Nautische Verein empfiehlt:

  1. dass im Traffic-Funk das Simplex-Verfahren angewandt wird. Der DNV vertritt die Auffassung, dass eine erheblich höhere Zahl zur Verfügung gestellter UKW-Simplex-Kanäle für die Verkehrssicherheit förderlich wäre.
  2. Der DNV empfiehlt dem BMVBS, in der IMO eine Untersuchung von neuen, modernen Verfahren bei der UKW-Kommunikation zu veranlassen und als ersten Schritt die Empfehlung der WRC07 durch Änderung des Kap. IV von SOLAS umzusetzen.