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Empfehlungen der Arbeitskreise auf der Fachtagung zum 35. Deutschen Seeschifffahrtstag | Hamburg, 05. Oktober 2016, Pressemeldung

Die Fachtagung beim 35. Deutschen Seeschifffahrtstag vom 22./23. September 2016 hat folgende Empfehlungen verabschiedet:

Arbeitskreis 1: Ressource Meer – Rohstoffe für die Zukunft

Leitung: Präsidentin Monika Breuch-Moritz (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie)

Der Arbeitskreis hat sich im Wesentlichen auf die Nutzung mineralischer Rohstoffe (Metalle, Öl und Gas) beschränkt. Mit wachsender Weltbevölkerung steigt der Bedarf an Nahrung, Energie und anderen Ressourcen.

Es ist essentiell, dass der künftige Verbrauch auf das Notwendigste reduziert und schonend mit den Ressourcen umgegangen wird sowie alle Möglichkeiten des Recyclings ausgeschöpft werden.

Gleichwohl ist davon auszugehen, dass es zu neuen Ressourcennutzungen aus den Meeren kommen wird. Für diesen Fall ist auf eine möglichst nachhaltige und umweltverträgliche Ausgestaltung zu achten. Dabei ist dringend eine gesamtheitliche Betrachtung notwendig, einschließlich Konzepte zur Angewiesenheit auf die Natur und die nachhaltige Nutzung dieser Ressourcen. Ein gesellschaftlicher Konsens darüber, auch mit Blick auf die Auswirkungen auf zukünftige Generationen, ist anzustreben.

Der Arbeitskreis empfiehlt folgende Maßnahmen:

  • Ökosystemforschung sollte weiter forciert werden.
  • Anwendungsbezogene Forschung und technologische Entwicklung sollten durch die Politik weiterhin unterstützt und durch verlässliche Rahmenbedingungen flankiert werden.
  • Die Anwendbarkeit der Entwicklungen ist durch Leuchtturmprojekte bestmöglich zu demonstrieren, um umweltschutztechnisch hochstehende Lösungen sichtbar zu machen und Fehlentwicklungen zu vermeiden.
  • Es ist erforderlich, dass die Tiefsee-„Exploitation Rules“ der International Seabed Authority (ISA) Regelungen über die Errichtung von Schutzgebieten und den Abbau von Rohstoffen enthalten, mit denen sichergestellt wird, dass die Wiederansiedlung von Fauna und Flora ermöglicht und die Bewahrung schützenswerter Habitate gewährleistet wird.
  • Politik, Verbände, Wirtschaft und Wissenschaft werden dazu aufgerufen, sich an der bis zum 3. November 2016 laufenden Kommentierung der „Zero Draft Exploitation Rules“ der ISA zu beteiligen und den Prozess aktiv weiter zu begleiten.
  • Ein Pilot Mining Test sollte durch die deutsche Wirtschaft mit Unterstützung des Bundes durchgeführt werden.
  • Die Umwelt- und Sicherheitsvorschriften der ISA sollten auch für Küstengewässer, Ausschließliche Wirtschaftszonen und Festlandsockel als Mindestanforderungen gelten.
  • Die Einhaltung der hohen Umweltschutz- und Sicherheitsstandards muss überwacht werden. Das Monitoring vor Ort sollte durch Technologieentwicklung gefördert werden. Das Monitoring sollte neutral und wissenschaftlich fundiert vorgenommen werden.
Der Arbeitskreis sieht folgende Chancen für Deutschland:
  • Der Bedarf an hochwertiger Technologie und Dienstleistung bietet für die deutsche Industrie große Möglichkeiten.
  • Auch kann ein wichtiger Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung geleistet werden.
  • Für Ausbildung und Beschäftigung in der Seeschifffahrt sieht der Arbeitskreis gute Zukunftschancen in dem Bereich der Offshore-Wirtschaft. Es sollten in Zusammenarbeit mit der Industrie spezielle Ausbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Sicherheits-, Verantwortungs- und Transparenzkultur der Offshore-Schifffahrt könnte dabei als Vorbild dienen.
  • Schiffbauindustrie, Zulieferer und Schifffahrtsgewerbe sollten sich entsprechend aufstellen, um an dieser Entwicklung bestmöglich partizipieren zu können.

Arbeitskreis 2 – „Mehr Technik und weniger Papier = mehr Sicherheit?“

Leitung: Prof. Dr. Jens-Uwe Schröder-Hinrichs (World Maritime University)

Die Digitalisierung ist eine Schwerpunktaufgabe für den maritimen Sektor. Die sinnvolle Bündelung von Datenströmen und deren Integration in ganzheitliche Konzepte ist eine wichtige Aufgabe für den Industriestandort Deutschland, die darüber hinaus zu einer weiteren Erhöhung der Sicherheit in der maritimen Transportkette führen kann, z.B. beim Umgang mit der Ladung im Rahmen des National Single Window (NSW).

Vor dem Hintergrund weiter wachsender Verkehrsströme und der intensiveren Nutzung des Seeraums vor den Küsten gilt es, den Schiffsoffizier bei den komplexen Prozessen des Schiffsbetriebs durch geeignete technische Massnahmen zu unterstützen, um die maritime Sicherheit zu erhöhen. Zielsetzung ist eine Entlastung des Schiffsoffiziers durch die Bereitstellung richtiger Informationen zum richtigen Zeitpunkt, um etwa in Stresssituationen Fehlentscheidungen zu vermeiden. Dazu bedarf es vielfach einer verbesserten Brückenergonomie nach neuesten Standards. Durch die Internationale Seeschifffahrts- Organisation (IMO) wurde 2011 ein Leistungsstandard für Integrierte Brückensysteme (Integrated Navigational Systems (INS) Standard – MSC.252(83)) entwickelt. Die Einführung dieses Standards in der Welthandelsflotte gelingt allerdings nur sehr langsam, weil dessen Umsetzung bisher noch freiwillig ist.

Vor diesem Hintergrund wird empfohlen:

  1. Die technischen Möglichkeiten bei der Datenübertragung und dem Austausch von Informationen im Seeverkehr sollten weiter harmonisiert und im NSW gebündelt werden. Das bereits vorhandene System sollte dazu weiter im nationalen und europäischen Kontext ausgebaut werden. Die dafür notwendigen Resourcen sollten durch das BMVI zur Verfügung gestellt werden.
  2. Neben den Daten, die auf die Ladung bezogen sind, sollte geprüft werden, welche zusätzlichen Daten sinnvoll in solche Systeme integriert werden können, um komplexe Sicherheitsbewertungen für den Bereich der deutschen Küste vornehmen zu können.
  3. Die Prozesse und Formalitäten des Seefrachtgeschäftes sind zu überprüfen und für die angestrebte Digitalisierung zu optimieren. Dazu muss eine Rechtssicherheit für elektronische Dokumente erreicht werden und die Datenschutzrichtlinien entsprechend angepasst werden.
  4. Ein freier Zugang sowie die technische Verfügbarkeit zu digitalen Dienstleistungen muss für alle Beteiligten der maritimen Transportkette ermöglicht werden. Eine mögliche kommerzielle Verwertung dieser Daten durch Dritte gilt es zu unterbinden.
  5. Die Bundesrepublik Deutschland sollte sich dafür einsetzen, dass der 2011 entwickelte INS Standard im Internationalen Übereinkommen von 1974 zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS) der IMO zeitnah verpflichtend integriert wird.
  6. Die maritimen Ausbildungsstätten sollten die Funktion und Handhabung neuester Integrierter Navigationssysteme stärker in den Lehrplänen berücksichtigen.
  7. Reeder und Werften sollten bei ihren Planungen zur Ausrüstung von Schiffen den neuen INS Standard stärker berücksichtigen. Das gilt auch für geeignete Schulungsmaßnahmen im betrieblichen Umgang mit den Integrierten Brückensystemen.
  8. Nautische Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Reeder und Werften sollten gemeinsam mit deutschen Herstellern daran wirken, dass der weltweite Technologievorsprung im Bereich der Navigationsausrüstung durch geeignete Forschung aufrechterhalten wird.

Arbeitskreis 3 – „Ausbildung und Beschäftigung ein Jahr nach der 9. Nationalen Maritimen Konferenz“

Leitung: Rudolf Rothe (Leiter der Seefahrtschule Cuxhaven)

Empfehlungen:

  1. Die Wahrnehmung der guten Seefahrtausbildung in Deutschland sollte in der Öffentlichkeit und den Schifffahrtsunternehmen verbessert werden.
    Insgesamt sollte die maritime Branche von allen Beteiligten positiver dargestellt werden. Dazu zählen zum Beispiel:
      Deutlichere Verbreitung positiver Nachrichten in der Öffentlichkeit.
    • Die Flaggenstaatverwaltung sollte die Information über den hohen Qualitätsstandard der Ausbildung über das Internet und die sozialen Medien bündeln, zum Beispiel über www.deutsche-flagge.de.
    • Die Kommunikation aller Beteiligten im Maritimen Bündnis sollte weiter vertrauensvoll, konstruktiv und sachorientiert geführt werden.
  2. Der Bund und die Länder sollten zusammen mit den Verbänden ihr Interesse an der Ausbildung und Beschäftigung deutscher Seeleute stärker bekunden, um maritime Kompetenzen für die nationalen und europäischen Interessen zu sichern.
  3. Schifffahrtsunternehmen sollten alle Möglichkeiten zur Beschäftigung nautischer und technischer Absolventen deutscher Fach- und Fachhochschulen ausschöpfen, um langfristig das maritime Know-How zu sichern.
  4. Die Kriterien zur Evaluierung der Maßnahmen der Bundesregierung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Schifffahrtsstandortes sollten transparent und nachvollziehbar sein.
  5. Alle Ausbildungen sollten weiterhin regelmäßig auf Zukunftsfähigkeit und Bedarf überprüft werden. Schifffahrt und maritimer Sekundärbereich sollten ihre Anforderungen rechtzeitig definieren. Der regelmäßige Austausch zwischen allen Beteiligten sollte intensiviert werden.
  6. Die Flaggenstaatverwaltung in einer einzigen Behörde ist anzustreben, um Verfahren weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen.
  7. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flagge sollte im europäischen Vergleich weiterhin überprüft werden, um Ausbildung und Beschäftigung zu sichern.
Hamburg, 5. Oktober 2016