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DNV-Positionspapier zum Nord-Ostsee-Kanal | Hamburg, 5. Oktober 2011
Wie vermeiden wir den maritimen Supergau?

Maßnahmen zur Abwendung eines Güterverkehrsinfarkts in Deutschland

Der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V. hält es für dringend geboten, dass die notwendigen Haushaltsmittel für den Bau einer 3. großen Schleusenkam-mer in Brunsbüttel in den Bundeshaushalt ab 2012 eingestellt werden, mit dem Bau der 3. großen Schleusenkammer in Brunsbüttel ohne weitere Verzöge-rung begonnen wird, mögliche EU-Fördermittel für diesen von der EU hochpriorisierten, wichtigen europäi-schen Transitverkehrsweg von der Bundesregierung konsequent erschlossen wer-den.

Zur Sicherung der verkehrlichen Leistungsfähigkeit und zur Verhinderung von tage- oder gar wochenlangen Totalausfällen des NOK ist die Ersatzinvestition in eine 3. große Schleusenkammer in Brunsbüttel als „Bypass“ zwingender-forderlich!

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ist mit seinen 43.000 Schiffbewegungen p. a. diemeistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt und für die Häfen an dergesamten deutschen Nord- und Ostseeküste die wichtigste schiffbareHinterlandanbindung.

Die deutsche Seehafenverkehrswirtschaft betont, dass der Zeitvorteil einer Passagedurch den NOK verbunden mit einem Entfernungsvorteil ganz entscheidendeFaktoren für die Hafenwahl sind, die Abkürzung durch den NOK ist somit einwichtiger Bestandteil der seewärtigen Zufahrten für alle deutschen Nordseehäfen.Durch einen voll funktionsfähigen NOK wird die Konkurrenzfähigkeit der deutschenSeehäfen für die exportorientierte deutsche Industrie sichergestellt.Ca. 100.000.000 Tonnen an Gütern werden jedes Jahr über diesen Seewegtransportiert. Damit trägt der NOK zu einer maßgeblichen Entlastung des Autobah-nundFernstraßennetzes in Norddeutschland bei. „Langzeitprognosen gehen davonaus, dass das Güterverkehrsaufkommen in den deutschen Seehäfen bis 2025 aufdas Zweieinhalbfache der gegenwärtigen Umschlagsmenge steigen wird. Dasdadurch zu erwartende dynamische Wachstum der Seehafenhinterlandverkehreerfordert vor allem den zügigen Ausbau einer leistungsfähigen, bedarfsgerechtenVerkehrsinfrastruktur.“ (Zweiter Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung und Zukunftsperspektiven dermaritimen Wirtschaft in Deutschland, vom 13.04.2011, Deutscher Bundestag Drucksache 17/5572 Seite 3) Eine solcheSteigerung des Güterverkehrsaufkommens ist nur mit einem funktionstüchtigen NOKzu bewältigen.

Die Situation:

Die von der Seeschifffahrt benutzten beiden großen Schleusen in Brunsbüttel laufenzurzeit in einem Notbetrieb. Der Betrieb der Schleusen in diesem Notmodus kann nurnoch für eine begrenzte Zeit gewährleistet werden, schon jetzt kommt es zuerheblichen Ausfallzeiten: 2008 = 32 Tage, 2009 = 41 Tage, 2010 = 114 Tage, in denersten 8 Monaten 2011 = 51 Tage.

Beide großen Schleusen müssen jeweils einer zweijährigen Grundsanierungunterzogen werden. Als Voraussetzung, um den Schiffsverkehr auf dem NOKaufrechterhalten zu können, ist der Bau einer 3. großen Schleusenkammer geplantworden. Obwohl das Baurecht für diese Schleuse in Form eines gültigenPlanfeststellungsbeschlusses vorliegt, sind zurzeit keine Gelder für den immerdringlicher werdenden Bau der 3. großen Schleusenkammer freigegeben.Ganz Norddeutschland steht hinter diesem Verkehrsprojekt und fordert dieBaumaßnahme, angefangen von den norddeutschen Bundesländern, über dieWirtschaft mit den Verbänden und den Kammern bis zu den betroffenen Landkreisenund nicht zuletzt der ansässigen Bevölkerung. Direkt und indirekt hängen mehr als100.000 Arbeitsplätze von einem funktionsfähigen NOK ab, die bei einerUnterlassung dieser existentiellen Baumaßnahme stark gefährdet sind.

Der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V. stellt fest, dass

  • eine Grundsanierung der alten großen Schleusen, ohne Entlastungsneubau einer3. großen Schleusenkammer, die Gefahr eines totalen Verkehrsinfarkts für denNOK einschließt, auf jeden Fall sind völlig unzumutbare Behinderungen undWartezeiten für den Schiffsverkehr zu befürchten.
  • Störungen des Seeverkehrsweges NOK Verlagerungen von Güterströmen „fromsea to road“ in das verstopfte Straßenverkehrssystem zur Folge haben werden.
  • als Folge von Störungen und Totalausfällen der Schleusenanlagen Verkehre inandere Häfen wie Antwerpen, Rotterdam, Göteborg und Aarhus abwandern unddadurch zusätzliche Transitverkehre auf den Straßen durch Deutschlandverursachen werden.
  • einmal abgewanderte Verkehre für den NOK unwiederbringlich verloren sind, daZuverlässigkeit und Zukunftsfähigkeit der Verkehrswege für die Logistikbrancheunverzichtbare Entscheidungskriterien sind.
  • sich durch die längeren Schiffsbetriebszeiten und Seestrecken (via Skagen)sowie die zusätzlichen Straßenverkehre die Emissionen (z.B. CO2, NOX undSO2) für den Gütertransport extrem erhöhen werden.Vor diesem Hintergrund hält es der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V.für dringend geboten, dass
  • die notwendigen Haushaltsmittel für den Bau einer 3. großen Schleusenkammerin Brunsbüttel in den Bundeshaushalt ab 2012 eingestellt werden.
  • mit dem Bau der 3. großen Schleusenkammer in Brunsbüttel ohne weitereVerzögerung begonnen wird.
  • mögliche EU-Fördermittel für diesen von der EU hochpriorisierten, wichtigeneuropäischen Transitverkehrsweg von der Bundesregierung konsequenterschlossen werden.

Zur Sicherung der verkehrlichen Leistungsfähigkeit und zur Verhinderung von tage- oder gar wochenlangen Totalausfällen des NOK ist die Ersatzinvestitionin eine 3. große Schleusenkammer in Brunsbüttel als „Bypass“ zwingenderforderlich!