Logo DNV e.V.  
 
Logo DNV e.V.
 
Zum Info-Brief
PDF-Download DNV Jahrbuch 2016/17
Neue Impulse für die Sportschifffahrt

Am 26.01.2012 hat der Deutsche Bundestag den Antrag 17/7937 - Neue Impulse für die Sportschifffahrt - der Regierungsfraktion verabschiedet. Der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V. (DNV) unterstützt die darin formulierten Ziele des Erhalts der Sicherheit auf dem Wasser sowie des erleichterten Zugangs für Interessierte auf das Wasser.

Gleichwohl bestehen erhebliche Bedenken, dass das für den DNV vorrangige Ziel, Erhalt der Sicherheit auf dem Wasser, mit allen Unterpunkten des verabschiedeten Antrags erreichbar ist. Insbesondere lässt der Antrag eine differenzierte Betrachtung der besonderen Verkehrs- situation sowie der Unterschiede und Randbedingungen auf See- und Binnenrevieren vermissen.

Bereits in seinem Vortrag beim 45. Deutschen Verkehrsgerichtstag 2007 in Goslar hat der DNV auf die Besonderheiten der gemeinsamen Nutzung von Verkehrsflächen durch die Berufs- und Sportschifffahrt hingewiesen.

Um einem Konflikt zwischen Berufs- und Sportschifffahrt vorzubeugen, insbesondere vor dem Hintergrund der Prognose einer noch stärkeren Nutzung der Verkehrsflächen, unterstützte der DNV das Ergebnis der Seesicherheitskonferenz vom 06.04.2006 in Bonn. Bei der Ausbildung und in den Prüfvorschriften zur Sportbootführerscheinausbildung sollten u.a. den Aspekten Verkehrsraumbedarf und Manövrierverhalten der Berufsschifffahrt, seemännische Sorgfalts- pflichten wie Verhalten bei verminderter Sicht und Reiseplanung sowie der Verpflichtung zum Mithören des Revierfunks intensiver Rechnung getragen werden. Der DNV empfahl in diesem Zusammenhang die Bedienbarkeit von UKW-Geräten auch im Cockpit von Segelbooten.

Die Empfehlungen des DNV gingen inhaltlich in die Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages 2007 ein. Die gegenwärtige Entwicklung des Seeverkehrs auf den Revieren bestätigt die Aktualität des Positionspapiers des DNV und der Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages 2007.

Der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V. ...

...begrüßt

    die Vorschläge zur Deregulierung und Zusammenführung des Führerschein- und Vorschriftenwesens sowie zur Intensivierung praktischer Fähigkeiten bei der Sportbootführerscheinausbildung, sowie
    die Einführung eines einheitlichen, zertifizierten Qualitätssiegels.
...vermisst
    Aussagen zur Intensivierung der Aspekte Verkehrsraumbedarf und Manövrier- verhalten der Berufsschifffahrt, seemännische Sorgfaltspflichten wie Verhalten bei verminderter Sicht und Reiseplanung bei der Ausbildung.
...unterstützt
    Überlegungen zur Ausweitung der Reviere, die mit einer Charterbescheinigung befahren werden dürfen, sofern dieses nicht zu einem Konflikt bei gemeinsamer Nutzung von Verkehrsflächen durch die Berufs- und Sportschifffahrt oder zu einer Absenkung des Sicherheitsniveaus führt.
...lehnt ab
    das führerscheinfreie Befahren der Seeschifffahrtsstraßen z.B. mit Hausbooten in der Ostsee aufgrund der tatsächlichen Randbedingungen sowie der nautischen und seemännischen Anforderungen.
...ist besorgt
    über die Anhebung der Grenze, ab der eine Führerscheinpflicht gelten soll, auf 11,4 kW (15 PS).
    Mit der Ausbildung zum Führen von Yachten mit Motor und Segel erfolgt die Vor- bereitung auf die Teilnahme am Seeverkehr. Sie setzt damit die Grundlage zum Verständnis für die Anforderungen der Berufsschifffahrt an den Verkehrsraum und die Verkehrsabläufe ein. Dabei kommt der Ausbildung zum Sportbootführer- schein See eine besondere Bedeutung zu, da diese zu dem einzigen vorge- schriebenen amtlichen Befähigungsnachweis zum Führen von Sportbooten auf Seeschifffahrtsstraßen führt. Die Ausbildung soll für eine sorgfältige Vorbereitung auf die besonderen Verhältnisse des zu befahrenden Reviers sensibilisieren und ist damit die Grundlage für eine sichere Reisedurchführung.
    Der Markt bietet z.B. Segelboote von bis zu 10 m Länge bei einer Motorisierung von 11,4 kw an. Darauf dürfte sich auch der Chartermarkt einstellen. Dies hätte zur Folge, dass zukünftig Boote dieser Größe mit Fahrzeugführern ohne die not- wendige Qualifikation am öffentlichen Verkehr teilnehmen können.
    Auch eine bereits diskutierte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 25 km/h würde hier keinen Lösungsansatz zum Erhalt der Sicherheit bieten, da z.B. Segelboote bis 10 m diese Geschwindigkeit in der Regel nicht erreichen.
...unterstreicht
    weiterhin die Notwendigkeit, u.a. Revierinformationen der Verkehrszentralen über UKW-Seefunk mitzuhören und am Funkverkehr aktiv teilnehmen zu können. Dies setzt eine entsprechende Qualifikation voraus.
Der Deutsche Nautische Verein von 1868 e.V. empfiehlt den zuständigen Bundes- und Landesressorts dringend, bei der Umsetzung des Beschlusses des deutschen Bundestages die vorstehenden Aspekte zu berücksichtigen.

Hamburg, 29.05.2012